Renten in Schweden

Renten in Schweden: Das System ist außergewöhnlich aber nur ein bedingtes Vorbild.

Die Renten in Schweden setzen sich aus vier Bestandteilen zusammen. Je nach Rentenjahrgang sind die Komponenten der allgemeinen Gesamtrente unterschiedlich hoch.

Im Durchschnitt wurden im Februar 2021 folgende Allgemeine Gesamtrenten-Beträge gezahlt:

Für alle Rentnerinnen und Rentner im Durchschnitt 1.324€.

Frauen bekamen im Durchschnitt 1.182€, Männer 1.482€.

Die Renten werden in Schweden wie normale Arbeitseinkommen versteuert. Dafür werden keine Sozialversicherungsbeiträge erhoben. In der schwedischen staatlichen Rentenversicherung sind alle Erwerbstätigen , also abhängig Beschäftigte und Selbständige, versichert.

Die durchschnittliche Rentenhöhe ist für die jüngeren Rentenjahrgänge und Neurentner*innen leicht sinkend. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen (im Durchschnitt 20%) verringert sich allerdings merklich. Bei den über 90jährigen beträgt er 35%. Bei den unter 70jährigen sind es 14%.

1999 wurde das Rentensystem von Leistungsorientierung auf Beitragsorientierung umgestellt (also auf Leistungsbegrenzung, ähnlich der Umstellung in Deutschland 2001). Seitdem werden 18,5% Rentenversicherungsbeiträge erhoben. 16% für die umlagefinanzierte Einkommensrente und 2,5% für die Prämienrente. Die Prämienrentenbeiträge werden in einer Unzahl von Kapitalfonds angelegt.

Für die vor der Reform von 1999 erworbenen Rentenansprüche werden Teile der Rente oder auch die gesamte Rente als Zusatzrente ausgewiesen.

Die volle Grundrente (Garantierente) bekommen Rentner*innen, die weniger als 478 € erhalten. Die maximale Höhe beträgt ca. 810 €. Dieser Betrag wird bis zu Renten von 1.165 € reduziert (Zahlen 2018). Zusätzlich gibt es, unabhängig von der Grundrente; ein Wohngeld von maximal 700€.

Als weitere Altersversicherung gibt es für ca. 90% der Beschäftigten Betriebsrenten. Der hohe Verbreitungsgrad führt dazu, dass die Betriebsrenten als quasi obligatorisch bewertet werden. Es gibt vier tarifvertragliche Systeme die grundsätzlich von den Unternehmen finanziert werden. Gemeinsam ist ihnen, dass der Beitrag bis zur Bemessungsgrenze (111% des Durchschnittseinkommens = 4.203€) 4,5% des Einkommens beträgt. Für darüber gehende Löhne werden von den Firmen 30% des Einkommens an die Betriebsrente abgeführt.

Diese Konstellation (Allgemeine Gesamtrenten mit den Garantierenten + obligatorische Betriebsrenten) führt in Schweden dazu, dass die Nettoersatzquoten für die Einkommensklassen sehr untypisch ausfallen. Die OECD hat berechnet, das heute junge Menschen (20 Jahre alt) eine Rente erwarten können, die

für Durchschnittsverdienende                                 53,4%,

für das 0,5 fache des Durchschnitts Verdienende:   60,7% (Wirkung der Garantierente) und

für das 1,5 fache des Durchschnitts Verdienende:  68,9% (Wirkung der Betriebsrenten)

ihrer Nettoarbeitseinkommen (Nettoersatzquote) beträgt. Durch die hohen Betriebsrentenbeiträge von 30% oberhalb der Bemessungsgrenze steigt die Nettoersatzquote bei höheren Einkommen progressiv weiter an.

(Ergänzende Erläuterung: Der Kaufkraftstandard Schwedens gegenüber Deutschland beträgt 99%, ist also nahezu auf gleicher Höhe; der Kurs der Schwedischen Krone (SEK) zum Euro beträgt etwa 10:1)

(Reiner Heyse, 22.03.2021)

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